
Warum ist Klimaschutz ein Thema für Erzhausen bei der Kommunalwahl?
Martina Gaul (MG): Die Folgen des Klimawandels spüren wir längst, besonders hier im warmen Rhein-Main-Gebiet: heiße Sommer, ausgetrocknete Böden, Starkregen. Deshalb müssen wir handeln, damit Erzhausen lebenswert bleibt.
Max Wolf (MW): Es betrifft unseren Alltag direkt – auf Plätzen wie dem Hessenplatz, in neuen Wohngebieten und auf den Straßen. Man denke nur an die Bahnstraße im Hochsommer: ohne Schatten wie ein Hitzetunnel.
Kann eine kleine Gemeinde überhaupt etwas ausrichten?
MW: Auf jeden Fall. Hier vor Ort entscheidet die Erzhäuser Gemeindevertretung, wie gebaut wird, wo Grün bleibt und wie Plätze und Wege gestaltet werden. Das wirkt sich direkt auf die Lebensqualität aus.
Welche Bedeutung hat der Hessenplatz für Erzhausen?
MG: Er ist das grüne Herz von Erzhausen – unsere natürliche Klimaanlage. Bäume und offene Flächen sorgen für Abkühlung und Frischluft. Diese Funktion wollen wir unbedingt erhalten.
MW: Absolut. Wir sehen, wie stark der Platz genutzt wird – zuletzt zum Beispiel beim Weihnachtsmarkt der Altkerbborsch. Er ist auch wichtig für das Erzhäuser Miteinander.
Gibt es Pläne, den Hessenplatz zu verändern oder zu bebauen?
MG: Bebauen kommt nicht in Frage. Eine Umgestaltung für bessere Aufenthaltsqualität und Veranstaltungen ist denkbar, wenn die Klimafunktion gewahrt bleibt.
MW: Genau. Mehr Beton würde die Hitze verstärken. Wir denken an mehr Bäume, begrünte Sitzflächen und wasserdurchlässiges Pflaster. Außerdem wird der Platz dank eines Grünen-Antrags 2026 einen öffentlichen Trinkwasserbrunnen bekommen.
Braucht Erzhausen neue Baugebiete?
MW: Wir lehnen neue Wohngebiete ab. Erzhausen hat eine gute Größe und ist eine lebenswerte Gemeinde im Grünen. Mit dem Baugebiet „4 Morgen“ wird der Ort wachsen – dadurch entsteht dringend benötigter Wohnraum im Rhein-Main-Gebiet. Das ist auch gut so. Weiteres Wachstum nach außen, etwa „Südlich Goethestraße“ und „Südlich Hauptstraße“, ist derzeit nicht unser Ziel.
MG: Zumal diese Flächen bei der Flugroute Cindy S besonders belastet wären. Wer sollte da wohnen wollen?
MW: Stimmt. Wobei hier unser Kampf gemeinsam mit den Bürgerinitiativen, der Bürgermeisterin und den anderen Fraktionen hoffentlich wirkt und Cindy S wieder zurückgenommen wird!
Aber wie kann zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden, ohne weitere Flächen zu versiegeln?
MG: Unser Ansatz ist: den Bestand besser nutzen – Leerstände aktivieren, umbauen, aufstocken, nachverdichten – und so weiteren Wohnraum schaffen, ohne weitere Äcker und Wiesen zu bebauen. Denn klar ist, der Bedarf an Wohnungen wächst. Mit „4 Morgen“ haben wir aber erstmal noch große ungenutzte Potenziale. Gleichzeitig sehen wir: Junge Erwachsene wollen von zu Hause ausziehen und in Erzhausen bleiben, finden aber nur schwer etwas Passendes.
MW: Genauso geht es vielen älteren Menschen, denen das Einfamilienhaus im Alter zu groß wird. Auf diesen Bedarf müssen wir stärker eingehen – zum Beispiel bei der Neubebauung der alten Kita am Hainpfad.
Wie ist die Lage bei Gewerbegebieten?
MW: Ein Ort braucht ein vitales Gewerbe und gute Rahmenbedingungen. Zugleich sehen wir, dass ein großer Teil der Gewerbesteuer nicht aus den Gewerbegebieten kommt. Und in den Gewerbegebieten gibt es inzwischen viele Wohnungen und Supermärkte – Nutzungen, die kaum Gewerbesteuern einbringen.
MG: Stimmt. Wenn also die etwa 4 ha große Fläche südlich von Aldi tatsächlich Gewerbegebiet wird, dann ist es wichtig, mit städtebaulichen Verträgen zu sichern, dass auch tatsächlich Gewerbe für Erzhäuser und für Erzhausen kommt.
Was bedeutet Entsiegelung praktisch?
MG: Asphalt und Beton heizen sich extrem auf. Entsiegelung heißt für uns: Flächen wieder öffnen – Parkplätze begrünen, Schotterbeete der Gemeinde entfernen, Wege mit offenporigem Belag anlegen, mehr Grün statt Grau.
MW: Sehr gut. Wir Erzhäuser GRÜNE haben dazu auch gute Anträge in den letzten fünf Jahren gestellt. Zum Beispiel wurden jetzt endlich neue Bäume auf dem Spielplatz Kiefernweg gepflanzt. Und bei einem anderen Antrag hatten wir den Bauhof aufgefordert, die Grünflächen Stück für Stück klimagerecht und klimaresistent umzubauen und die Schotterflächen zu entfernen.
Wie sollen Entsiegelung oder neue Bepflanzung finanziert werden?
MW: Wenn man den Umbau langfristig plant und in die jährliche Pflege einbettet, spart die Gemeinde sogar, weil Pflegeaufwand und Bewässerung reduziert werden. Außerdem gibt es Förderprogramme von Land und Bund.
Welche Rolle spielt Bürgerengagement bei Entsiegelung und klimaangepasster Bepflanzung?
MG: Alle Erzhäuserinnen und Erzhäuser können einen Beitrag leisten. Im eigenen Garten oder durch Baumpatenschaften und bei Pflanzaktionen.
MW: Ein tolles Projekt war auch der Ideenwettbewerb „Mach die Bahnstraße klimafit“ für die Kinder der Lessing- und Hessenwaldschule. Die Schülerinnen und Schüler haben wirklich kreative Vorschläge entwickelt.
MG: Absolut. Solche Projekte sind wichtig für die Demokratieerziehung – Kinder erleben, dass sie etwas bewirken können. Und die Ideen waren durchaus umsetzbar: mehr Bäume, Begrünung, schattige Sitzbereiche. Wir Erzhäuser GRÜNE werden uns dafür einsetzen, dass diese Vorschläge ernsthaft geprüft und wenn möglich umgesetzt werden.
Welche nächsten Schritte sind geplant?
MG: Entwicklung eines kommunalen Klimaanpassungskonzepts, Erhalt und Aufwertung des Hessenplatzes, Entsiegelung kommunaler Flächen, mehr Bäume.
MW: Wir bringen dazu Anträge ein und werden für Mehrheiten kämpfen. Mit vielen Stimmen der Erzhäuserinnen und Erzhäuser können wir auch in den nächsten fünf Jahren viel erreichen.
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