Uns Erzhäuserinnen und Erzhäusern braucht man das nicht zu erklären: Seit der Verlegung der Startroute CINDY-S am 10. Juli 2025 ist die Lebensqualität in Erzhausen in nicht akzeptabler Weise gesunken.
Sehr lange – schon seit Anfang 2017 – haben wir uns gegen diese Routenverlegung gewehrt. Eine gewisse Verzögerung wurde erreicht, denn die Verlegung war ursprünglich schon für Anfang 2018 vorgesehen. Aber im Sommer 2025 passierte das, was nicht passieren durfte: Die Cindy-S-Route wurde trotz gut begründeter Sicherheitsbedenken, trotz unzureichender Mess- und Modellierungsmethoden, trotz fehlender Gesprächsangebote der Stadt Darmstadt verlegt – zum Schaden Erzhausens und zum Schaden vieler anderer, benachbarter Kommunen. Darunter übrigens auch die Stadt Weiterstadt und der Landkreis Offenbach, die sich im Vorfeld noch für (!) die Verlegung zum eigenen Schaden eingesetzt hatten. Daraus ist gut erkennbar, in welchem Ausmaß hier getäuscht wurde.
In Erzhausen und Egelsbach haben wir über den Stopp-Cindy-S-Verein und die Erzhäuser BI Fluglärm einen gut organisierten und (ganz wichtig!) laut hörbaren Protest. Das ist die wichtigste Grundlage. Damit der Protest erfolgreich ist, muss das zu einem konkreten politischen Ergebnis führen: Es muss in der Fluglärmkommission (FLK) eine Mehrheit gewonnen werden, die die Verlegung der Cindy-S-Route zurücknimmt. Die FLK hat 48 Mitglieder, die Landkreise Darmstadt-Dieburg und Offenbach haben mit ihren Kommunen insgesamt 10 Stimmen – da fehlt also noch einiges. Aber die Mehrheit ist in Sicht, wenn sich weitere Kommunen solidarisieren. Was dazu wichtig ist: Klare, unmissverständliche Unterstützung unserer Bürgermeisterin Claudia Lange durch alle Erzhäuser Fraktionen, denn sie vertritt uns in der FLK. Und es braucht lauten und ausdauernden Protest, der überall, auch in weniger betroffenen Kommunen wahrnehmbar ist. Dass es der Bürgermeisterin vor wenigen Tagen gelungen ist, unsere Sache überregional im „Spiegel“ zu platzieren, ist ein Riesenerfolg. So kommen wir voran!
Die Erzhäuser GRÜNEN rufen seit langem dazu auf, nach einem regionalen Kompromiss, z.B. durch einen Wechsel zwischen verschiedenen Routen zu suchen. Dazu fehlt aber bislang das Gesprächsangebot aus Darmstadt, vom dortigen Oberbürgermeister ebenso wie von unseren Darmstädter Parteifreunden. Diese Sturheit der dortigen Stadtpolitik könnte sich für Darmstadt rächen: Denn ohne Alternativvorschlag ist ein Stopp der Route gleichbedeutend mit der Rückkehr zur alten, über Darmstadt führenden Route.
Was in der Debatte, auch in der Protestbewegung unserer Meinung nach zu kurz kommt, ist der Fakt, dass Erzhausen bereits vor der Verlegung stark vom Frankfurter Fluglärm belastet war. Deshalb fordern wir, dass in Frankfurt eine echte Nachtruhe vom 22:00–06:00 Uhr (und nicht nur von 23:00–05:00 Uhr wie aktuell) eingehalten wird. 22 bis 6 Uhr ist übrigens auch der Nachtzeitraum, der im Fluglärmgesetz festgelegt ist. Das würde nicht nur Erzhausen helfen, sondern allen Anrainern im Bereich des Frankfurter Flughafens – auch so können wir Verbündete in der FLK finden.
Ein weiterer Punkt ist das stetige Wachstum der Flugbewegungen am Frankfurter Flughafen und des dadurch entstehenden Fluglärms. Die GRÜNEN fordern, dass hier eine Obergrenze eingeführt wird, zum Schutz aller fluglärmgeschädigten Menschen. Darin liegt übrigens auch der Grund, warum die GRÜNEN im Kreistag sich beim an sich guten und sinnvollen „Stopp-Cindy“-Antrag von SPD und CDU enthalten haben: Der Antrag enthält keine solche Obergrenze, d.h. durch die Hintertür kommt es doch zur Lärmzunahme. Den GRÜNEN im Kreistag ging der Antrag nicht weit genug.
Aber zurück nach Erzhausen: Wir Erzhäuserinnen und Erzhäuser dürfen uns bei diesem Thema nicht spalten lassen! Weder in der Bevölkerung noch in den örtlichen Parteien! Gemeinsam sind wir stark!
Klaus Süllow für Bündnis 90/Die GRÜNEN Erzhausen
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